Werkschutz: Aufgaben, Pflichten & Organisation

Wissenswertes

Der Werkschutz sichert Betriebsgelände, Produktionsanlagen und Mitarbeiter gegen interne und externe Gefahren. Dieser Leitfaden beschreibt die konkreten Aufgaben, rechtlichen Anforderungen und organisatorischen Grundlagen des betrieblichen Werkschutzes in Deutschland.

Was ist Werkschutz?

Werkschutz bezeichnet alle Maßnahmen zum Schutz eines Unternehmens und seiner Betriebsstätten. Dazu gehören der Schutz von Personen, Gebäuden, Anlagen, Material und Informationen innerhalb eines Industrie- oder Gewerbegeländes. Laut Bitkom-Wirtschaftsschutzstudie 2025 entstand der deutschen Wirtschaft durch Diebstahl, Sabotage und Spionage ein Gesamtschaden von 289,2 Milliarden Euro – physische Sicherheit bleibt ein operatives Kernthema.

Im Gegensatz zu externen Sicherheitsdiensten, die von einem Dienstleister gestellt werden, ist der Werkschutz oft als interne Abteilung des Unternehmens organisiert. In der Praxis beauftragen viele Unternehmen jedoch spezialisierte Sicherheitsdienstleister mit Werkschutzaufgaben – oder setzen auf eine Kombination aus internem und externem Personal.

Der Werkschutz grenzt sich von verwandten Begriffen ab:

Objektschutz: Stationärer Wachdienst an einem Standort, oft rein bewachend

Revierdienst: Mobiler Sicherheitsdienst mit Kontrollfahrten zwischen mehreren Objekten

Werkschutz: Ganzheitlicher Schutz eines Betriebsgeländes, einschließlich Zutritts-, Brand- und Informationsschutz

Die konkreten Aufgaben im Werkschutz

01

Zutrittskontrolle und Empfang

Werkschutzmitarbeiter kontrollieren den Zutritt zum Gelände. Dazu gehören Personen- und Fahrzeugkontrollen an Toren und Pforten, die Überprüfung von Ausweisen und Besucheranmeldungen sowie die Überwachung von Lieferverkehr. Wer das Gelände betritt oder verlässt, wird dokumentiert.

02

Kontrollgänge und Streifendienst

Regelmäßige Rundgänge sind eine Kernaufgabe. Werkschutzmitarbeiter kontrollieren Gebäude, Produktionshallen, Außenanlagen und technische Räume nach festgelegten Routen. Die Durchführung der Kontrollgänge muss nachweisbar sein – traditionell über Stechuhren, heute zunehmend über digitale Wächterkontrollsysteme mit NFC-Kontrollpunkten oder GPS-Rundgängen.

03

Vorfallsdokumentation und Berichtswesen

Jeder Vorfall – ob Sachschaden, Diebstahl, unbefugter Zutritt oder technische Störung – muss dokumentiert werden. Werkschutzmitarbeiter erstellen Ereignisberichte mit Zeitpunkt, Ort, Sachverhalt und getroffenen Maßnahmen. Fotos zur Beweissicherung gehören zunehmend zum Standard. Moderne Systeme ermöglichen die Ereigniserfassung direkt vor Ort – mit Foto, Standort und Zeitstempel in einem Vorgang statt auf getrennten Formularen.

04

Schlüsselverwaltung

Die Verwaltung und Ausgabe von Schlüsseln ist eine sicherheitskritische Aufgabe. Jede Entgegennahme und Rückgabe muss mit Datum, Uhrzeit und Person lückenlos protokolliert werden. Bei Verlust oder Diebstahl eines Schlüssels muss sofort nachvollziehbar sein, wer zuletzt im Besitz war – handschriftliche Listen in Schlüsselkästen erfüllen diese Anforderung selten zuverlässig.

Digitales Schlüsselmanagement mit NFC-Schlüsselplomben dokumentiert jede Übergabe automatisch mit Zeitstempel und Person.

05

Brandschutz und Notfallmanagement

Werkschutzmitarbeiter überwachen brandschutztechnische Einrichtungen, stellen die Freihaltung von Flucht- und Rettungswegen sicher und handeln im Brandfall nach dem betrieblichen Alarmplan. In vielen Betrieben übernimmt der Werkschutz die Erstreaktion bei Bränden, Unfällen oder anderen Notlagen, bis Feuerwehr oder Rettungsdienst eintreffen. Der GDV beziffert die versicherten Feuerschäden in der Sachversicherung auf 5,9 Milliarden Euro im Jahr 2023 – frühzeitige Erkennung durch den Werkschutz kann Großschäden verhindern.

06

Überwachung und technische Sicherheit

In vielen Betrieben gehört die Überwachung von Alarmanlagen, Videoüberwachungssystemen und Zutrittskontrollanlagen zum Aufgabenbereich. Werkschutzmitarbeiter reagieren auf Alarmmeldungen, prüfen deren Ursache und leiten bei Bedarf weitere Maßnahmen ein.

07

Alleinarbeiterschutz

Werkschutzmitarbeiter arbeiten häufig allein – in Nachtschichten, auf weitläufigen Geländen oder in abgelegenen Bereichen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz von Alleinarbeitenden zu treffen (DGUV Regel 112-139). Dazu gehören Personen-Notsignal-Anlagen, die einen Alarm auslösen, wenn ein Mitarbeiter handlungsunfähig wird.

Eine Arbeitsplatzabsicherung mit Totmannalarm erfüllt diese Anforderung digital über das Smartphone – ohne zusätzliche Hardware.

Rechtliche Grundlagen

§34a GewO – Bewachungsgewerbe

Wer gewerbsmäßig Bewachungsaufgaben durchführt, benötigt nach §34a der Gewerbeordnung eine Erlaubnis. Für Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstleisters ist mindestens die 40-stündige IHK-Unterrichtung nach §34a GewO erforderlich. Für bestimmte Tätigkeiten – etwa Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum, Ladendetektivtätigkeiten oder Bewachung in leitender Funktion – ist die Sachkundeprüfung bei der IHK notwendig.

Interne Werkschutzmitarbeiter, die ausschließlich das eigene Unternehmen schützen, fallen grundsätzlich nicht unter §34a GewO, da es sich nicht um die gewerbsmäßige Bewachung fremden Eigentums handelt. Die gesetzlichen Qualifikationsanforderungen des §34a gelten primär für gewerbliche Sicherheitsdienstleister.

Bewachungsverordnung (BewachV)

Die Bewachungsverordnung konkretisiert die Anforderungen an Bewachungsunternehmen: Zuverlässigkeit, persönliche Eignung, Haftpflichtversicherung und Meldepflichten. Werkschutzdienstleister müssen diese Auflagen nachweisen.

DGUV-Vorschriften

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) regelt den Arbeitsschutz für Sicherheitsmitarbeiter. Relevante Vorschriften betreffen die Gefährdungsbeurteilung bei Alleinarbeit (DGUV Regel 112-139), den Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen und die Arbeitszeitgestaltung bei Schichtdienst.

Dokumentationspflichten

Betreiber und Sicherheitsdienstleister sind verpflichtet, Kontrollgänge, Vorfälle und sicherheitsrelevante Maßnahmen zu dokumentieren. Diese Aufzeichnungen dienen als Nachweis gegenüber Versicherungen, Behörden und Auftraggebern. Die Aufbewahrungsfristen richten sich nach der jeweiligen Rechtsgrundlage.

Ein digitales Wachbuch protokolliert alle Aktivitäten automatisch und chronologisch – mit Zeitstempeln, die nicht nachträglich verändert werden können.

Organisation des Werkschutzes

Interner Werkschutz
Personal Eigene Mitarbeiter des Unternehmens
Steuerung Direkte Weisungsbefugnis
Kosten Fixkosten (Gehälter, Sozialabgaben)
Fachwissen Tiefes Betriebswissen
Flexibilität Begrenzt (eigenes Personal)
Typisch bei Großunternehmen, Konzerne
Externer Werkschutz (Dienstleister)
Personal Mitarbeiter des Sicherheitsdienstleisters
Steuerung Vertraglich geregelt
Kosten Variable Kosten (Stundenbasiert)
Fachwissen Breites Sicherheits-Know-how
Flexibilität Hoch (Personalaufstockung möglich)
Typisch bei KMU, wechselnde Anforderungen

Viele Unternehmen setzen auf ein Hybridmodell: Kernfunktionen werden intern besetzt, Spitzenzeiten oder Spezialdienste (Veranstaltungsschutz, Revierdienst) an Dienstleister vergeben.

Typische Rollen im Werkschutz

Werkschutzleiter / Werkschutzbeauftragter – Verantwortlich für die Planung, Organisation und Leitung des gesamten Werkschutzes. Berichtet an die Geschäftsführung oder den Sicherheitsverantwortlichen. Koordiniert interne und externe Kräfte, erstellt Sicherheitskonzepte und verantwortet das Budget.

Schichtleiter Werkschutz – Führt das operative Werkschutzteam während einer Schicht. Verantwortlich für Personaleinteilung, Übergaben und die Reaktion auf Vorfälle.

Werkschutzmitarbeiter / Werkschutzkraft – Führt die operativen Aufgaben aus: Kontrollgänge, Zutrittskontrolle, Dokumentation, Schlüsselverwaltung.

Pförtner / Empfangskraft – Spezialisiert auf Zutrittskontrolle und Besuchermanagement am Haupteingang oder Tor.

In kleineren Betrieben übernimmt eine Person mehrere Rollen. In Großunternehmen und Konzernen gibt es häufig eigene Werkschutzabteilungen mit klar getrennten Verantwortlichkeiten.

Was kostet Werkschutz?

Externer Werkschutz (Dienstleister): Abrechnung pro Stunde, abhängig von Bundesland, Tarifvertrag und Qualifikationsanforderung. Typische Stundensätze liegen je nach Region und Anforderung zwischen 25 und 45 € (brutto, Kalkulation des Dienstleisters inkl. Lohnnebenkosten, Verwaltung und Marge). Hinzu kommen Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste. Angebote unter 20 € pro Stunde gelten branchenweit als Dumpingpreise und deuten auf unqualifiziertes Personal hin.

Interner Werkschutz (eigenes Personal): Fixkosten: Gehalt, Sozialabgaben, Schulungen, Ausrüstung. Geringere Flexibilität bei schwankendem Bedarf, dafür tiefes Betriebswissen und direkte Weisungsbefugnis.

Die Tariflöhne für Sicherheitsmitarbeiter variieren nach Bundesland. Eine aktuelle Übersicht finden Sie in unserem Tariflohn-Artikel.

Schichtbetrieb und Dienstplanung

Werkschutz ist ein 24/7-Betrieb. Die Planung von Schichten unter Berücksichtigung von Ruhezeiten (Arbeitszeitgesetz), Qualifikationen, Urlaub und Krankheit ist eine operative Kernaufgabe. Viele Betriebe arbeiten noch mit Excel-Tabellen und manuellen Stundenzetteln – ein integrierter Dienstplan mit automatischer Zeiterfassung reduziert den Verwaltungsaufwand und vermeidet Fehler bei der Abrechnung.

Berichtswesen und Übergaben

Bei Schichtwechsel ist eine strukturierte Übergabe notwendig: offene Vorgänge, besondere Vorkommnisse und aktuelle Anweisungen müssen weitergegeben werden. Das Wachbuch bildet die zentrale Informationsquelle – ergänzt durch automatisierte Auswertungen und Reports.

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Werkschutz im Alltag – typische Abläufe

01

Schichtbeginn

Übergabe durch den vorherigen Kollegen. Prüfung des Wachbuchs auf offene Einträge. Übernahme der Schlüssel. Erster Kontrollgang.

02

Während der Schicht

Regelmäßige Rundgänge nach festgelegtem Plan. Zutrittskontrolle am Empfang oder Tor. Dokumentation von Vorfällen und Beobachtungen. Reaktion auf Alarmmeldungen. Kontrollpunkte scannen oder bestätigen.

03

Schichtende

Rückgabe der Schlüssel mit Protokoll. Eintrag im Wachbuch. Übergabe an den Nachfolger.

Auf weitläufigen Industriegeländen, Baustellen oder Solarparks sind physische Kontrollpunkte (NFC-Tags) teilweise unpraktisch. Hier kommen GPS-Kontrollpunkte mit Geofencing zum Einsatz, die die Position des Mitarbeiters digital verifizieren.

Wie wird man Werkschutzmitarbeiter?

01

Unterrichtungsverfahren (§34a Abs. 1a GewO)

40 Stunden IHK-Unterrichtung. Für einfache Bewachungstätigkeiten. Kein Abschlusstest.

02

Sachkundeprüfung (§34a GewO)

IHK-Prüfung mit schriftlichem und mündlichem Teil. Erforderlich für: Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum (z.B. Citystreifen), Schutz vor Ladendieben (Kaufhausdetektive), Türstehertätigkeit bei Diskotheken, Bewachung von Flüchtlingsunterkünften in leitender Funktion, Bewachung von zugangsgeschützten Großveranstaltungen in leitender Funktion.

Prüfungsinhalte: Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Gewerberecht, Datenschutz, Bürgerliches Gesetzbuch, Straf- und Strafverfahrensrecht, Umgang mit Waffen, Unfallverhütungsvorschriften, Umgang mit Menschen, Grundzüge der Sicherheitstechnik.

03

Weiterqualifikation

Fachkraft für Schutz und Sicherheit – 3-jährige duale Ausbildung (IHK). Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft (IHK) – Fortbildungsprüfung für Berufserfahrene in der Sicherheitswirtschaft. Meister für Schutz und Sicherheit (IHK) – Führungsqualifikation. Ergänzend: fachspezifische Schulungen in Brandschutz, Erste Hilfe und Deeskalation.

Werkschutz digitalisieren

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Viele Werkschutzprozesse laufen noch auf Papier: handgeschriebene Wachbücher, Stechuhren, Schlüssellisten in Ordnern, Vorfallsberichte auf Formularen. Die Umstellung auf digitale Werkzeuge bringt konkrete Vorteile:

Icon Kontrollpunktscan – Nachweissicherheit

Nachweissicherheit

Digitale Kontrollpunktscans mit Zeitstempel und Standort sind manipulationssicher und jederzeit abrufbar.

Icon Ereigniserfassung – Schnellere Dokumentation

Schnellere Dokumentation

Vorfälle werden vor Ort erfasst – mit Foto, Diktierfunktion und automatischer Übertragung ins Portal.

Icon Dienstplan – Weniger Verwaltung

Weniger Verwaltung

Dienstpläne, Zeiterfassung und Schlüsselprotokolle in einem System statt in separaten Excel-Tabellen.

Icon Transparenz – Zugriff für Auftraggeber

Transparenz für Auftraggeber

Kunden können über ein Kundenportal selbst auf relevante Berichte und Rundgangsdaten zugreifen.

Icon Arbeitsplatzabsicherung – Alleinarbeiterschutz

Alleinarbeiterschutz

Personen-Notsignal-Anlagen laufen über das Diensthandy, ohne zusätzliche Hardware. In Kombination mit GPS-Ortung kann die Leitstelle den Standort im Notfall sofort einsehen.

COREDINATE vereint Rundgangkontrolle, Wachbuch, Einsatzplanung und Dokumentation in einer Plattform – entwickelt für die Sicherheitsbranche, DSGVO-konform und gehostet in Deutschland.

07

Häufige Fragen zum Werkschutz

Was ist der Unterschied zwischen Werkschutz und Objektschutz?

Werkschutz ist der umfassende Schutz eines Betriebsgeländes einschließlich Personen, Anlagen, Material und Informationen. Objektschutz bezeichnet dagegen den stationären Wachdienst an einem bestimmten Standort – er ist ein Teilbereich des Werkschutzes.

Welche Qualifikation brauche ich für den Werkschutz?

Für gewerbliche Bewachungstätigkeiten ist mindestens die 40-stündige IHK-Unterrichtung nach §34a GewO erforderlich. Für qualifizierte Aufgaben wie Zutrittskontrolle an Veranstaltungen oder Bewachung in leitender Funktion ist die Sachkundeprüfung notwendig.

Was verdient man im Werkschutz?

Das Gehalt richtet sich nach dem Tarifvertrag des jeweiligen Bundeslandes, der Qualifikation und dem Einsatzbereich. Die aktuellen Tariflöhne für Sicherheitsmitarbeiter finden Sie in unserer Tariflohn-Übersicht.

Ist der Werkschutz gesetzlich vorgeschrieben?

Es gibt keine generelle gesetzliche Pflicht zum Werkschutz. Allerdings ergeben sich aus dem Arbeitsschutzgesetz, der Betriebssicherheitsverordnung und branchenspezifischen Vorgaben (z.B. KRITIS-Verordnung) Anforderungen, die in bestimmten Betrieben einen organisierten Werkschutz faktisch notwendig machen.

Wie werden Kontrollgänge im Werkschutz nachgewiesen?

Traditionell über mechanische Stechuhren (Wächterkontrolluhren) an festen Kontrollpunkten. Moderne Lösungen verwenden NFC-Tags oder GPS-basierte Kontrollpunkte, die den Rundgang digital und manipulationssicher dokumentieren.

Was ist ein Wächterkontrollsystem?

Ein Wächterkontrollsystem (OWKS) ist ein System zur Überwachung und Dokumentation von Kontrollgängen. Es stellt sicher, dass Rundgänge planmäßig durchgeführt werden, und liefert den Nachweis gegenüber Auftraggebern und Versicherungen.

Und was kostet ein Wächterkontrollsystem?

Transparente Preise, keine versteckten Kosten.

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